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Sächsische Miniaturen

Sächsische Miniaturen

6. April 2020

Der Superspion
Hier wieder die Textfassung zum Nachlesen für alle, bei denen sich das Video in nur unzureichender Qualität herunterlädt:

Die Älteren unter Ihnen erinnern sich sicher noch an die Affäre „Guillaume“, den DDR-Spion, der letztlich zum Rücktritt des Kanzlers Willi Brandt führte.
Es gab aber eine Spionageaffäre, die noch weit größere Schäden verursachte. Im Mittelpunkt stand dabei der in Dresden geborene Heinz Felfe.
Felfe wuchs im Dritten Reich auf, brachte es bis zum SS-Obersturmführer und kam nach dem Krieg in britische Gefangenschaft. Dort diente er sich dem englischen Geheimdienst MI6 an.
1950 ließ er sich vom sowjetischen Geheimdienst KGB anwerben.
Ein Jahr später wurde er vom Bundesnachrichtendienst, der damals noch "Organisation Gehlen" hieß, angeworben, der nicht ahnte, dass Felfe bereits ein Mann des KGB war. Für den KGB war das natürlich ein Haupttreffer. Hatten die sowjetischen Schlapphüte doch jetzt einen Spion mitten im feindlichen Geheimdienst. Und Felfe machte im BND ordentlich Karriere, bis hin zum Leiter der Spionageabwehr. Ein Maulwurf im Chefsessel. Oft genug versorgte er seine eigene Behörde im heimlichen Auftrag des KGD mit Falschinformationen. Schließlich wurde er 1961 vom amerikanischen CIA enttarnt und festgenommen.
Der Schadensbericht des BND wurde zum Schreckensbericht. Tausende geheime Dokumente hatte Felfe nach Moskau geliefert. 300 Minox-Mikrofilme mit 15.660 Fotos und 20 Tonbänder wurden in seiner Wohnung gefunden. Das war die vorbereitete nächste Lieferung für den KGB. Insgesamt verriet Felfe 94 V-Männer des BND an den sowjetischen Geheimdienst
1961 wurde Felfe zu 14 Jahren Haft verurteilt. 1969 gelangte er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs in die DDR. Dort bekleidete er bis zu seiner Berentung eine außerordentliche Professur für Kriminalistik an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin. 2008 verstarb er im Alter von 90 Jahren in Berlin. Reue soll er nie gezeigt haben…





Und morgen führt uns unsere sächsische Miniatur ins Alkoholische und verbindet damit wettinische Geschichte und amerikanische Jazzmusik




5. April 2020

Der Justizmord
Eine schlimme Geschichte aus Dresdens Historie können wir heute noch lokalisieren, obwohl sie sich zu Beginn des 17. Jahrhundert abgespielt hat.
Es geht um den Krellstein auf dem Dresdner Jüdenhof. Genau an dieser Stelle wurde 1601 der Kanzler Dr. Nikolaus Krell hingerichtet.

                
Krellstein        



Nikolaus Krell

Krell war im 16. Jahrhundert am Dresdner Hof und hatte ein sensibles Amt. Er sollte den Kurprinzen Christian erziehen und bilden. In Dresden herrschte die lutherische Lehre. Katholiken gab es nicht mehr. Eine dritte Konfession, die der Calvinisten kam aus der Schweiz und fand nach und nach Anhänger in Sachsen. Die wurden natürlich vom Kurfürsten und der lutherischen Geistlichkeit heftig bekämpft. Und Nikolaus Krell? Der saß im toten Winkel. Überall verfolgte man Calvinisten, kam aber nicht auf die Idee, dass quasi neben dem Kurfürsten einer saß und dessen Sohn ausbildete. Krell hatte auf seinen früheren Reisen den Calvinismus in der Schweiz kennengelernt.
Als Krells Schützling Christian Kurfürst wurde, stieg auch Krells Macht. Durch den Schutz des neuen Kurfürsten war er unantastbar und outete sich jetzt mehr und mehr als Calvinist. Alle stellten sich gegen Krell, der Adel, die lutherische Geistlichkeit, sogar die Frau des Kurfürsten. Aber solange der Kurfürst seine Hände über Krell hielt, konnten seine Widersacher nichts tun.


Kurfürst Christian I.
(1560 bis 1591)

Aber nach kurzer Regierungszeit starb Kurfürst Christian I. 1591. Der Kurfürst war noch nicht unter der Erde, da wurde Krell bereits verhaftet. Er schmachtete 10 Jahre auf dem Königstein. So viele Jahre brauchte man, um ein Urteil zu finden. Man wollte kein Urteil aus religiösen Gründen sprechen, denn die Verhaftung Krells hatte schon für genügend internationales Aufsehen gesorgt. Immerhin hatten der König von Frankreich und Königin Elisabeth I. aus England protestiert.
Und so liest sich das Urteil wie das eines Verbrechers. Aufwiegelung und Hochverrat. Man bog das Recht, nein, man brach es. Es war noch nicht mal ein Justizirrtum. Die Richter hatten sich nicht geirrt. Sie hatten vorsätzlich ein falsches Urteil gesprochen. Kein Justizirrtum, es war ein glatter Justizmord.
Die Hinrichtung erfolgte 1601, an der Stelle, wo wir heute den Stein mit den Buchstaben Kr. sehen.



4. April 2020

Ein Leben auf der Straße ...
Hier wieder die Textfassung zum Nachlesen für alle, bei denen sich das Video in nur unzureichender Qualität herunterlädt:

Der 24. April 1711 war für Sachsen ein Schicksalstag, durchaus zum Guten.
August der Starke beginnt in dieser Zeit sein „zweites Leben“. Im ersten Leben hatte er als Kurfürst von Sachsen und König von Polen das Geld seines Landes mit vollen Händen zum Fenster herausgeworfen.
Ab 1710 kommt bei ihm so etwas von „Besinnung“ auf. Er beginnt, das Land, das er ziemlich vernachlässigt hat, zu modernisieren. Dabei setzt er auf Innovationen (wie man heute sagen würde…).
An diesem Tag wird ihm eine handgezeichnete Karte des Gebiets um Großenhain gereicht. Und August ist fit genug, sofort und mit einem Blick die Bedeutung dieser Karte zu erkennen.
Sofort lässt er den Zeichner dieser Karte kommen: Pfarrer Adam Friedrich Zürner aus Skassa bei Großenhain.
Geboren wurde dieser 1679 im Vogtland in einer Pfarrersfamilie. Zürners Vater war sein erster Lehrer. Und ein weiterer Geistlicher, Nikolaus Spranger, ein Freund der Familie, interessiert den jungen Adam Friedrich für Mathematik, Geografie und Geschichte. Dieses Interesse wird ein Leben lang bleiben.
Dennoch bewahrt Adam Friedrich Zürner die Familientradition. Er studiert brav Theologie. 1705 bekommt er die Pfarrstelle in Skassa bei Großenhain.
Bereits während seines Leipziger Studiums hatte Zürner Karten gezeichnet. In Skassa ließ er sein Pfarrhaus ausbauen, um Platz für sein Hobby zu haben. Aus diesen Vermessungsarbeiten ging die Karte hervor, die Zürner August dem Starken vorlegen ließ. Er erhielt dafür begeisterte Anerkennung, 150 Taler und den Auftrag, eine gleiche Karte für das Amt Dresden aufzunehmen. Damit begann die neue Karriere von Zürner. August der Starke ließ ihn das gesamte Kurfürstentum vermessen und ernennt ihn zum „Churfürstlichen Land- und Grenzkommissar“. Zürner hat fast sein gesamtes Berufsleben auf der Straße zugebracht und 18.000 Meilen bei seinen Vermessungen zu Fuß zurückgelegt.
Nicht nur die Karten entstanden. Ab 1721 wurden die heute noch berühmten Postmeilensäulen errichtet.
Mit ihnen hatte man exakte Angaben und konnte dem Postdienst Vorschriften machen, wie lange er von A nach B braucht. Für Verspätungen gabs Lohnabzug.
So wurde die kursächsische Post eine Erfolgsgeschichte. Pünktlich und berechenbar.
Allerdings hatte August Stress mit den Städten, die sollten nämlich die Postmeilensäulen bezahlen und weiterten sich. Zu teuer. Man war dort von einer bemerkenswerten Kurzsichtigkeit. August musste den Bürgermeistern mit ordentlichem Druck die Nützlichkeit erklären.
Friedrich Adam Zürner starb 1742 und wurde auf dem Inneren Neustädter Friedhof begraben.


Adam Friedrich Zürner



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